Seitenblicke

Kanäle effektiv nutzen

Kammern und Verbände haben wir gefragt, wie Social Media-Kanäle effektiv für Kampagnen genutzt werden können und was dabei besonders beachten werden sollte. Tolle Statements von Experten der Industrie- und Handelskammern Nürnberg, Koblenz, Köln und Rostock sowie vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI).

Regelmäßig hochwertigen kanalspezifischen Content zu generieren ist eine anspruchsvolle Aufgabe.

Sarah Pfeil, Referentin Ausbildungskampagne Durchstarter, Industrie- und Handelskammer Koblenz

Mit „Durchstarter“ – einer Kampagne zur Stärkung des Images der dualen Berufsausbildung – richten wir uns mit einem umfassenden Beratungsangebot an eine junge Zielgruppe, vorrangig zwischen 14 und 19 Jahren. Dass wir in den sozialen Netzwerken präsent sein müssen, ergab
sich von selbst. Wir beobachten, wie sich Medienkonsum und Nutzungsverhalten der Zielgruppe verhalten, und passen unsere Aktivitäten daran an. Vor drei Jahren startete die Kampagne, bei der wir anfangs Facebook und bis heute auch YouTube und Instagram bespielen. Facebook eignet sich dabei hauptsächlich als Informationskanal für Eltern und Lehrer, die wichtige Multiplikatoren und Ratgeber bei der Berufsfindung sind.

Regelmäßig hochwertigen kanalspezifischen Content zu generieren ist eine anspruchsvolle Aufgabe, bei der uns spezialisierte Dienstleister unterstützen. Dazu arbeiten wir mit regionalen Agenturen aus Koblenz und Umgebung zusammen.

Durchstarter ist eine gemeinsame Kampagne der Industrie- und Handelskammern Koblenz, Mittleres Ruhrgebiet, Pfalz, Rheinhessen und Trier.

Um große Reichweiten zu erzielen, führt kaum noch ein Weg an bezahlten Werbeformaten vorbei.

Jonas Müllenmeister, M.A., Online-Redakteur, Content Manager & Social Media Redakteur, Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken

Erfolgsfaktoren für Social-Media-Kampagnen?
Einerseits ist klar: Um große Reichweiten zu erzielen, führt aufgrund der Algorithmen in den sozialen Netzwerken kaum noch ein Weg an bezahlten Werbeformaten vorbei. Aber neben der reinen Reichweite gibt es aber natürlich einen anderen, immens wichtigen Erfolgsfaktor, der deutlich schwieriger zu messen ist: Wie gelingt es, die eigenen Anliegen verständlich, nachvollziehbar und seriös zu vermitteln? Wir kennen genug Beispiele dafür, wie Kampagnen fehlschlagen können – entweder sie versickern ohne Reichweite oder die Postings führen zu Widerspruch, zu Spott oder sogar zu Shitstorms. Das lässt sich nur durch Ehrlichkeit, offene und dialogbereite Kommunikation und kreative Ideen für die Postings umgehen. Dafür brauchen Verbände richtig gute Mitarbeiter in den Kommunikationsabteilungen, die den nötigen Freiraum und das nötige Budget bekommen. Dann können wirklich gute Kampagnen gelingen.

Tipps für andere Kammern und Verbände
Gute Social-Media-Kommunikation funktioniert nicht nebenbei: Man muss das Thema ernst nehmen, wenn man tatsächlich Erfolge erzielen möchte, und man muss Lust darauf haben, diese Kanäle auf kreative Weise zu nutzen. Ohne Spaß an der Kommunikation einfach nur die Pressemitteilungen des Verbands auf Facebook zu stellen ist ein Anfang, aber Kampagnen, die nachhaltig Themen transportieren, bekommt man so nicht zustande. Wenn man dem Thema Social Media aber genug Bedeutung zumisst, sich Zeit nimmt und ausgiebig an Konzepten und an Ideen für Postings feilt, dann kann es klappen. Dafür gibt es schon viele gute Beispiele, von denen man sich übrigens eine ganze Menge abgucken kann.

Wir agieren crossmedial: Facebook, YouTube, eine Straßenbahn oder unser Azubi-Speed-Dating – all das ist Teil unserer Kampagne.

Susanne Hartmann, Pressesprecherin, Leiterin Kommunikation und Veranstaltungen, Industrie- und Handelskammer zu Köln

Unsere Social-Media-Kanäle bespielen wir im Rahmen unserer Newsroom-Themenplanung und agieren dabei immer crossmedial. Die Reichweite (durch fachspezifische Influencer, kleines Budget und Kooperationen) bildet die Basis für Kampagnen. Ein Beispiel: Seit 2017 werben wir mit unserer Kampagne #ichwerdewas für die duale Ausbildung. Auch hier agieren wir crossmedial: Facebook, YouTube, eine Straßenbahn oder unser Azubi-Speed-Dating – all das ist Teil der Kampagne. Durch den Hashtag #ichwerdewas in Verbindung mit IHK Köln erreichen wir einen hohen Wiedererkennungswert. Auf den verschiedenen Kanälen informieren wir die Jugendlichen über unsere Angebote und bieten Gelegenheit zur Interaktion. Dabei passen wir uns an veränderte Nutzungsgewohnheiten an. So haben unsere Instagram-Auftritte immer mehr an Bedeutung gewonnen. Und Ausbildungsberatung gibt es bei uns mittlerweile auch via WhatsApp. Auf der anderen Seite ist nicht jedes Medium, das Jugendliche nutzen, direkt für uns geeignet. Auf Tik Tok wird #ichwerdewas vorerst nicht stattfinden. Wir halten aber die Augen offen.

Der Ton macht die Musik. Botschaften müssen dem Netzwerk und der Zielgruppe angepasst sein.

Sidney Berlin, Redakteur Neue Medien, Industrie- und Handelskammer zu Rostock

Dass Kammern, Verbände und Institutionen inzwischen in sozialen Medien aktiv sind, ist selbstverständlich. Kaum ein Medium eignet sich besser, um mit Zielgruppen zu interagieren, über Aktivitäten zu informieren und eine große Reichweite zu generieren. Doch ein Profil in jedem Netzwerk bringt noch keine Interaktion. Es ist wie so oft im Leben: Der Ton macht die Musik. Botschaften müssen dem Netzwerk und der Zielgruppe angepasst sein. Nicht jeder Inhalt passt in jedes Medium. Darüber muss Klarheit herrschen, bevor Inhalt erstellt und verbreitet wird. Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Alles, was wir an Inhalt erstellen, bringt der Zielgruppe Mehrwert. Im täglichen Kampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer bestechen authentische Inhalte mit regionalem Bezug und textlichem Charme. Blicke hinter die Kulissen zeigen, dass in Kammern Menschen für die regionale Wirtschaft engagiert im Einsatz sind. Wir gestalten Inhalte kurz und knackig und die Zielgruppe dankt uns das.

Haben Sie keine Angst, Fehler zu machen, sondern trauen Sie sich
auch mal, neue Wege zu gehen. Es gibt keine Fehler, nur Learnings!

Claudia Kehl, Referentin Digitale Kommunikation, VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.

Der VDI ist inzwischen seit 10 Jahren auf Social Media unterwegs. Begonnen haben wir 2009 auf Facebook und sind dann nach und nach auch in die anderen sozialen Medien gegangen. Instagram ist seit September 2018 unser jüngster Kanal. In dieser Zeit haben wir einiges über die Nutzung von und den Umgang mit sozialen Medien im Rahmen von Kampagnen gelernt. Dieses Wissen möchten wir gern in Form von 7 Tipps und Tricks teilen:

  1. Das Wichtigste zuerst: Definieren Sie Ziele und seien Sie sich dieser bewusst! (Beispiel: Die Gewinnung neuer Mitglieder “Conversions” oder Interaktion.)
  2. Analysieren und kennen Sie Ihre Zielgruppe genau!
  3. Richten Sie Ihren Content an Ihren Zielen, der Zielgruppe und Ihren Kanälen aus. Auf jedem Kanal hat Ihre Zielgruppe andere spezifische Bedürfnisse.
  4. Nutzen Sie für Ihre Kampagnen immer die Plattform, auf welcher Sie Ihre Zielgruppe am besten erreichen, und passen Sie die Formate und das Wording an den jeweiligen Kanal an.
  5. Treten Sie in Interaktion mit der Zielgruppe und schaffen Sie eine Plattform für den Austausch untereinander auf Augenhöhe.
  6. Passen Sie Ihren Content regelmäßig an und scheuen Sie sich nicht, etwas fallen zu lassen, wenn etwas nicht gut läuft. Schauen Sie über den eigenen Tellerrand und holen Sie sich Inspirationen – auch gern bei der Konkurrenz.
  7. Einfach mal machen! Haben Sie keine Angst, Fehler zu machen, sondern trauen Sie sich auch mal, neue Wege zu gehen. Es gibt keine Fehler, nur Learnings! Jedes Netzwerk birgt auch für den VDI unterschiedliche Möglichkeiten und Chancen, um unsere Zielgruppen bestmöglich zu erreichen. Daher braucht jeder Kanal seine eigene Kampagnenstrategie: Bei Instagram erreichen wir eine junge Zielgruppe, um diese für Technik- und Ingenieurthemen zu begeistern. Bei Facebook nutzen wir Ads, um unsere Kampagnen an die relevanten Interessenten auszuspielen, und LinkedIn bietet für uns ein hohes Potenzial für einen professionellen und fachlichen Austausch. Gerade für Verbände sollte Social Media oberste Priorität haben, da man ohne großes Budget seine Zielgruppen erreichen kann und sich im Vergleich zu klassischen Kampagnen Möglichkeiten der Interaktion und des Feedbacks ergeben.

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